In der 75-jährigen Geschichte des Bundesverfassungsgerichts musste Karlsruhe oft extreme Entscheidungen treffen – mit gesellschaftlicher Sprengkraft und massiven Konsequenzen.
1977: Arbeitgeberpräsident Schleyer ist Geisel der RAF; die Regierung will sich nicht erpressen lassen. Seine letzte Hoffnung: Karlsruhe. Die Richter sollen entscheiden: Muss sich der Staat auf einen Deal mit Terroristen einlassen, um Schleyer zu retten? Die Zeit drängt.
Immer wieder steht das Bundesverfassungsgericht vor der Entscheidung: Leben schützen, ja! Aber um welchen Preis? Es klingt so einfach und klar: Die Menschenwürde ist unantastbar; Leben ist das höchste Gut. Aber was, wenn Leben gegen Leben steht oder gegen Selbstbestimmung und Freiheit? In Karlsruhe beginnt dann der Kampf der Argumente. Und für die Richterinnen und Richter auch ein innerer Kampf um ethische und moralische Grundsätze. Sie nämlich haben das letzte Wort.
Der Film rekonstruiert den Eilantrag der Familie des Entführungsopfers Hanns Martin Schleyer, die Nachtverhandlung in Karlsruhe und das Ringen um die Verantwortung des Staates für jedes einzelne Leben seiner Bürger. Hanns-Eberhard Schleyer, der Sohn des Entführten, führt als Zeitzeuge zurück in einen historischen Ausnahmezustand: Das Hoffen und Bangen der Familie zu Hause und das juristische Duell mit der Bundesregierung vor Gericht unter dem Zeitdruck eines Ultimatums der Entführer. Und die Situation spitzt sich noch weiter zu: Während die Rote-Armee-Fraktion Schleyer gefangen hält, geraten auch Menschen an Bord der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in die Gewalt von Terroristen. Es ist die wohl dramatischste Nach in der Geschichte des Verfassungsgerichts.
Mit Spielszenen, Archivmaterial und Stimmen von Zeitzeugen, den ehemaligen Verfassungsrichtern Susanne Baer und Andreas Voßkuhle, den früheren GSG9-Einsatzbeamten Dieter Fox sowie ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke verdichtet der Film den spannungsgeladenen Entscheidungsprozess der Karlsruher Richter vor dem Hintergrund der nervenzerreißenden Entwicklungen im Terror-Herbst 1977.
Die ZDF-Dokumentation von Peter Dörfler blickt zum 75. Geburtstag des Bundesverfassungsgerichts auf dessen einzigartige Rolle als Hüter des Grundgesetzes und letzte Instanz auch für Entscheidungen über Würde, Leben und Freiheit.
LETZTE INSTANZ – URTEILE ÜBER LEBEN UND TOD ist eine Produktion der MadeFor Film im Auftrag des ZDF. Regie führt Peter Dörfler, die Kamera übernahm Mathias Schöningh. Produzent bei MadeFor Film ist Henning Wagner. Für das ZDF zeichnen Ralf Bonsels und Samuel Kirsch redaktionell verantwortlich.
Fotos sind erhältlich über ZDF-Kommunikation, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/bundesverfassungsgericht